Man gelangt mit Leitern hinauf. Auf der Erde erscheinen die Einwohner selten: Sie haben ...

Archiv: Programme früherer Jahre: 2008/2009


1 Pateras-Baxter-Brown & The Necks Sonntag, 2. November 2008, 20.30

2 Samstag, 29. November 2008, 20.30

3 Hörlounge mit Aldo Gardini Samstag, 24. Januar 2009, 14.00 bis 16.00

4 Musik von Clarence Barlow 1973 – 1999 Samstag, 14. März 2009, 20.30

5 Planung des Planes Freitag, 24. April 2009, 20.30

6 Gran Torso Freitag, 15. Mai 2009, 20.30 


Sonntag, 2. November 2008, 20.30
Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, 8004 Zürich
www.anthonypateras.com, www.thenecks.com, www.walcheturm.ch

Pateras-Baxter-Brown & The Necks

Pateras-Baxter-Brown Trio:
Anthony Pateras (präpariertes Klavier)
Sean Baxter (Perkussion)
David Brown (präparierte Gitarre)

The Necks:
Chris Abrahams (Klavier)
Tony Buck (Drums)
Lloyd Swanton (Bass)

The Necks haben in ihrem über 21-jährigen Bestehen einen eigenen Sound geschaffen. Sie erkoren den Loop zum Stilprinzip und verbinden ihn mit musikalischen Kategorien wie Minimal, Jazz, Krautrock und Ambient - akustisch umgesetzt mit Kontrabass, Drums und Klavier. Das Zusammenspiel der drei produziert ein sich ständig, aber doch kaum merklich veränderndes Gewebe von Melodiefragmenten und Rhythmusmustern, das in fast meditativer Weise improvisierend grosse Bögen spannt, in denen sich die Musik ausbreitet und atmet.
Das weitaus jüngere, 2002 gegründete Pateras-Baxter-Brown Trio ist gleichermassen beeinflusst von Noise, Neuer Musik und Free Jazz. Mit präpariertem Klavier, präparierter Gitarre und Perkussion schaffen sie eine Klangwelt voller Spannung und dynamischer Wendungen. So kann das improvisierte Zusammenspiel klingen wie ein einziges, grosses Schlaginstrument, um handkehrum mit flächigen atmosphärischen Passagen zu kontrastieren.
Die zwei australischen Formationen Pateras-Baxter-Brown Trio und The Necks werden im dritten Teil des Abends zusammen als Sextett auftreten.

Jolanda Gsponer

Koproduktion mit Spezialkonzerte karbonmusik und WIM Zürich


2

Samstag, 29. November 2008, 20.30
Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, 8004 Zürich
www.shizophonic.ch, www.walcheturm.ch

Gaudenz Badrutt (synthesizer, electronics)
Christian Müller (bassclarinet, electronics)

Clayton Thomas (contrabass)
Burkhard Beins (percussion, objects)


"sind eine ansammlung von ungefähr zwei musikern, ungefähr 60 audiokabeln, einem rudel bodeneffekten, dem ehrwürdigen dr. sherman, einem oszillator aka i, einer bassklarinette, ist improvisiert und eine idee doppelbödiger klanggebilde, sind sehr viele äusserst beschäftigte elektronen, ist ein soundtrack zu einem nie gesehenen sci-fi-film oder ein gerührter cocktail on the rocks, gemischt aus 2/3 avantgarde-klassik und 1/3 experimentellem rock, garniert mit einer prise poppigem rosarauschen, eine weltanschauung aus dem umfeld des geheimnisumwitterten yagwudkults oder ein klanggewitter aus unterkühltem elektrogeblubber und dinosauriergrossen staubsaugermelodien, ist vielleicht eher ein gerücht, funktioniert bei 220V oder mit 1.5‰, ist der orchestrale bruder von dupont & dupond, hat keinen rückwärtsgang, überwindet leichtfüssig frequenzstürze und chaotische obertonansammlungen, ist beim üben die leiseste elektronikband (mindestens diesseits der alpen), ist ein musikalisches mehrgangmenu mit einem flambierten überraschungsdessert und einem architektonischen zaubertrick, hat einen g4- und einen g3-prozessor…" ()

Für dieses Konzert erweitern ihr Duo exklusiv mit dem Berliner Komponisten und Performer Burkhard Beins und dem tasmanischen Kontrabassisten Clayton Thomas.

Lara Stanic


3

Samstag, 24. Januar 2009, 14.00 bis 16.00
Villa Egli, Höschgasse 4, 8008 Zürich

Hörlounge mit Aldo Gardini

Die Entwicklung des Features im Schweizer Radio DRS


Das Feature wird häufig als die hohe Kunst des Radiomachens bezeichnet. Unter anderem sollen Geschichten mit Tönen von einem Original-Schauplatz möglichst authentisch erzählt werden. Das Radiofeature will seinen Inhalt jedoch nicht einfach nur erzählen, sondern zum Klingen bringen. Nebst dem Ort des Geschehens sind die Atmosphäre, Geräusche, aber auch die Musik wichtig. All dies steht mehr oder weniger gleichberechtigt neben dem Text und lässt ein "Kino im Kopf" entstehen.
Wie ungewöhnliche Geschichten und interessante Hörreportagen an farbigem Eigenleben gewinnen, weiss Aldo Gardini. Seit Jahren arbeitet der international anerkannte Feature-Spezialist für verschiedene Radiostationen. Die Besucher können sich in der Villa Egli seine mehrheitlich in der Kunstkopftechnik produzierten Features anhören und dabei einem einmaligen Hörerlebnis folgen. Darüber hinaus wird Gardini seine Werke kommentieren und den Gästen für Fragen zur Verfügung stehen.

Michael Heisch


4

Samstag, 14. März 2009, 20.30
Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, 8004 Zürich
www.ives-ensemble.nl, www.walcheturm.ch

Musik von Clarence Barlow 1973-1999

1981 (1981) für Klaviertrio
Fantasia quasi una sonata (con Mantra di Stockhausen) (1973) für Klavier solo
Les Ciseaux de Tom Johnson (1998) für Klaviertrio
Des nus descendant une échelle (aus "Vier identische Stücke", 1995) für Klavier solo
Verhältnisse (1974) für Klaviertrio
…or a cherish'd bard… (1999) für Klaviertrio

Ives Ensemble Amsterdam:
John Snijders (Klavier)
Josje ter Haar (Violine)
Job ter Haar (Violoncello)


Die "schillernde Figur" in der Komponistenszene - es wäre ein abgegriffenes Cliché, gäbe es nicht Clarence Barlow, der sich diesen Titel auf sperrigste Art und Weise verdient. 1945 im indischen Kalkutta geboren, wird er in Wikipedia etwas hilflos als "internationaler Komponist" bezeichnet. Und wirklich: er figuriert als Klarenz Bahrlo oder Clarens Baarlo, er wirkte und wirkt in Köln, Den Haag und seit kurzem im kalifornischen Santa Barbara, seine musikalischen Arbeitsgebiete reichen vom Programmieren altertümlicher Gerätschaften wie Disklavier und Atari bis zum (richtigen!) Klavierkonzert, vom Erstellen abenteuerlicher Statistiken über mikrotonale Harmonik bis zur rauschhaft klangsinnlichen Umsetzung gesprochener deutscher Sätze in einer klassischen Ensembleinstrumentation. Seine Stücke können "Çoğluotobüsişletmesi" heissen, "Ludus ragalis" oder "Farting quietly in church" …
Wie die Titel durchblicken lassen, verwendet Barlow für seine Stücke oft Modelle - musikalische aus europäischer oder indischer Tradition, aber auch statistische oder physikalisch-akustische - um dann, oft mittels computergestützter Verfremdungen, seinen höchst eigenständigen Tonfall zu finden.
Ein Portrait dieses in vieler Hinsicht aus der Reihe tanzenden Komponisten ist in der Schweiz seit langem überfällig. Das hochkarätige Ives Ensemble aus Amsterdam, das bei zahlreichen Gelegenheiten mit Barlow zusammengearbeitet hat, spielt Kompositionen für Klaviertrio und Klavier solo aus den Jahren 1973-1999.

Felix Profos


5

Freitag, 24. April 2009, 20.30
Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, 8004 Zürich
www.simonekeller.ch, www.krosenberger.ch, www.walcheturm.ch

Planung des Planes

20.30 Konzert | mit einem Vorwort von Katharina Rosenberger
Katharina Rosenberger: «torsion» (2009) für Klavier, Uraufführung
Juhee Chung: «Vorwärts» (2005) für Elektronik, nach einem Text von Nicolette Kretz
Katharina Rosenberger: «und die Gravitation verschwindet darin» (2009) für Stimme, Klavier, Elektronik und Live- Spatialisierung, nach Peter Stamms Text «Die Planung des Planes», Uraufführung
Oliver Weber: «Die Planung des Planes. Gestalten 1-4» (2009) für Stimme, Klavier und Live-Elektronik, nach Peter Stamms Text «Die Planung des Planes», Uraufführung
Juhee Chung: «Spaziergang durch den Plan» (2009) für Klavier und Elektronik, Uraufführung

22.15 Musikalische Lesung mit Peter Stamm
Mit der Uraufführung von Till Löfflers Melodram «Der brave Herbert und die Verwüstung» - weiteren teils unveröffentlichten Texten Peter Stamms – und Musik von Gerald Bennett

Simone Keller Klavier | Valentin Johannes Gloor Stimme
Peter Stamm Lesung | Peter Färber Technik


Das Klavier und die Elektronik: zwei Klangerzeuger mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Das Klavier ordnet jeder Taste einen bestimmten Ton zu und ist in diesem Sinn ein äusserst determiniertes Instrument. Die Elektronik hingegen lässt sich in dieser Sichtweise gerade als das Undeterminierteste verstehen: Aus den schwarzen Lautsprecherboxen könnte jeder Klang, jedes Geräusch erklingen. Dieses Konzert lässt die zwei Welten aufeinander prallen, und zwar in stets neuen Kombinationen. Dabei wird sich beobachten lassen, wie sich die Arbeitsweise der KomponistInnen mit dem Wechsel des Mediums ändert: Wie unterscheidet sich die Klangwelt, die Katharina Rosenberger für das Klavier entwirft, von ihrer musikalischen Arbeit mit elektronischen Mitteln? Was unterscheidet Juhee Chungs Musik für Tonband von ihren Kompositionen mit Live-Elektronik? Und was passiert, wenn die Stimme als neue Klangfarbe hinzutritt? Zunächst vom Tonband in Juhee Chungs "Vorwärts", dann als Live-Stimme in Oliver Weber "Die Planung des Planes", dem als literarische Vorlage der gleichnamige Text des Schweizer Schriftstellers Peter Stamms zu Grunde liegt - die Uraufführung der allerersten Vertonung eines Textes von Peter Stamm!
Die drei neuen Werke mit Klavier wurden für die junge Pianistin Simone Keller geschrieben, die bereits vielfach mit zeitgenössischen Programmen auf sich aufmerksam gemacht hat. So auch im Jahr 2006 bei der ignm zürich mit Werken von Luc Ferrari.


6

Freitag, 15. Mai 2009, 20.30
Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, 8004 Zürich
www.sonarquartett.de, www.walcheturm.ch

Gran Torso

Georg Katzer: 1. Streichquartett (1965)
Chico Mello: Ladainha (1989)
Sebastian Stier: Drei Skizzen (2007)
Helmut Lachenmann: Gran Torso (1971)

Sonar Quartett:
Susanne Zapf (Violine)
Kirsten Harms (Violine)
Nikolaus Schlierf (Viola)
Cosima Gerhardt (Violoncello)


Das Sonar Quartett wurde 2006 in Berlin gegründet und setzt seinen Schwerpunkt auf die Musik des 21. Jahrhunderts. Es arbeitet eng mit jungen KomponistInnen zusammen und spielte bereits 16 Uraufführungen. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist das Streichquartett von Sebastian Stier (geb. 1970), der in Berlin bei Hanspeter Kyburz studierte. Auch der Brasilianer Chico Mello (geb. 1957) wohnt in Berlin, doch bleibt seine Herkunft präsent: Als Ausgangspunkt für seine Musik nennt er die Klänge aus seinem grossfamiliär geprägten brasilianischen Umfeld. Der dritte Wahlberliner im Programm ist Georg Katzer, 1935 geborener Komponist, Improvisator und Gründer des Studios für elektronische Musik an der Akademie der Künste Berlin.
Als Klassiker gilt mittlerweile Helmut Lachenmanns "Gran Torso". Aber kann ein Werk, das die Unvollständigkeit im Titel mitträgt, einfach so in die Ahnengalerie gestellt werden? "Torsohaft" erscheint vor allem die Klangerzeugung, die den mechanischen, realistischen Aspekt des "Tonmachens" ins Zentrum stellt, den Aspekt, der gewöhnlich zugunsten eines Wohlklangs ausgeblendet wird, dem man seine "Herstellung" durch Holz, Metall und Muskelkraft nicht mehr anhören soll. Dabei sollte es sich aber laut Lachenmann nicht um blosse Brechung des Klingenden handeln, sondern um ein "Aufbrechen und Aufbruch der Wahrnehmungspraxis in uns selbst": De- und Konstruktives im selben Atemzug.

Cathy van Eck