Und ich hör mir den Unsinn dort an, Den Leuten gefällt's und ich komm zu ...

Archiv: Programme früherer Jahre: 2004/2005


Mit den Konzerten der kommenden Saison möchten wir dem Zürcher Publikum Einblicke in das aktuelle Geschehen der internationalen und schweizerischen Szene für Neue Musik gewähren. Sechs Ensembles bestreiten einzelne Konzertabende mit jeweils eigener musikalischer Thematik. Jedes Programm überzeugt durch eigenständige Kreativität. 

Das Klavierduo Blum/Kordzaia präsentiert ein kraftvolles, virtuoses Programm mit einer Uraufführung von Felix Profos im Zentrum des Interesses. «Electric Currents» heisst das Programm des deutschen «ensemble Intégrales», in welchem jede der Auftragskompositionen auf eine andere Art das akustische Instrumentarium mit elektronischem Equipment verbindet. 

Das Ensemble Porc-Épique gestaltet einen Abend, an dem bewusst nach grossen Konzeptformen der improvisierten Musik gesucht wird. Das Konzert des X_Quartetts bietet neben Eigenkreationen die Gelegenheit, Werke von Thomas Müller, Alex Buess und Boguslaw Schaeffer kennenzulernen.

Ein wichtiges Anliegen der IGNM Zürich ist, die guten Kontakte mit anderen Kulturinstitutionen und Veranstaltern zu pflegen: ein Portraitkonzert mit dem Komponisten Christian Wolff in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater Zürich und die Projekte von Patrick N. Frank sowie Daniel Studer und Peter K Frey im Rahmen der Weltmusiktage 2004.

Die IGNM Zürich ist immer wieder herausgefordert, mit einem vielseitigen und hochqualitativen Saisonprogramm zur kulturellen Vielfalt Zürichs beizutragen. Wir sind davon überzeugt, dass es uns auch dieses Jahr gelingt, spannende Aufführungen zu präsentieren, und wünschen unserem Publikum und allen unseren Gästen bereichernde Konzertabende.


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Freitag 15. Oktober 2004, 20.00 Uhr

Radiostudio DRS Brunnenhofstrasse 22 8042 Zürich

BLUM – KORDZAIA

Cornelius Cardew Boolavogue (1980) / Alfred Zimmerlin Stillstandbild (Klavierstück 7) (1998) / nikakoi dance1, dance2, deconstruction (UA) / David Dramm Medusa runs the Voodoo down (2002) / Felix Profos pai (UA)

Tamriko Kordzaia und Dominik Blum: Klaviere und Keyboards

Ausgehend von der sehr packenden schnellen Musik von David Dramm, die letztjährlich anlässlich des Keystoned-Projekts erstaufgeführt wurde, hat das Duo Blum-Kordzaia ein weitgefächertes Programm zusammengestellt, um, längst ohne Anspruch ästhetischer Erneuerung, verschiedene Strömungen und Cross-Over-Situationen zu beleuchten. Als Uraufführung: der 20-Minüter von Felix Profos (*1969), jenem Komponisten, von dem man nie so recht weiss, was einen erwartet (prominente Grossformationen können davon ein Lied singen ...). Nikakoi (russisch für Niemand) ist Nika Machaidze aus Tbilisi, Georgien (*1972), der als Produzent elektronischer Musik, Film- und Videoregisseur und Schriftsteller aktiv ist. Seine Musik ist minimalistisch, technoid. Das Werk von Alfred Zimmerlin dagegen wirkt in diesem Kontext wie eine klangsinnliche Oase der Stille. Cornelius Cardews Duo gibt Antworten auf Fragen nach dem WieWeiter der Siebziger Jahre, jener neokommunistischen Ära, welche Leute wie ihn oder Christian Wolff dazu bewog, wieder politische Alltagsgebrauchsmusik zu schreiben. Und - um den Bogen zu schliessen - für die, die's noch nicht gehört haben: "Medusa Runs the Voodoo Down" des in Amsterdam lebenden Kaliforniers David Dramm (*1961) vermischt Elemente von Xenakis' Evryali mit jenen des Rhythm'n'Blues derart, dass die Hörerin nie recht weiss, mit was sie es gerade zu tun hat. Eine brilliante Parodie! 
Fazit: Könnte spannend sein, sich das anzuhören. DOMINIK BLUM


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Freitag 12. November 2004, 14.00 / 15.30 / 17.00 Uhr 
Rote Fabrik, Seestrasse 395, 8038 Zürich

Im Rahmen der 78th ISCM WORLD NEW MUSIC DAYS 2004 TRANS-IT – Konzert 30:

SEIN – NICHTS – OBJEKT – SUBJEKT
von Patrick N. Frank

Oscar Bianchi DE RERUM NATURA (2001) für Flöte und Violine / Gary Berger ZAH (2002) für Cello, Saxophon und Live-Elektronik / Patrick Frank FÜR DIE SITUATION (2003) für Flöte, Saxophon, Violine, Cello und Gamma-synthesizer / Rolf Enström SAXPLOCK (2001) für Bass-Saxophon und Tonband / Paulo Ferreira-Lopes NOD1 (2000) für Tonband / Patrick Frank FÜR NICHTS/ES (2003) für Flöte, Saxophon, Violine, Cello, Gamma-Synthesizer und Live- Elektronik

Judit Polgar: Gamma-Synthesizer, Gary Berger: Elektronik, NN: Violine, Carin Levine: Flöte, Rico Gubler: Saxophone, 
Imke Frank: Violoncello, Michael Schranz: Bühnenbild, Martin Burkardt: Lichttechnik

Sein/Nichts befasst sich mit der Kunstsituation und deren Auflösung auf verschiedenen Ebenen. Ausgehend von der klassischen Konzertsitua-tion - nämlich den Kunstobjekten ‹Interpret‹ und ‹Musikwerk‹ - wird das Objekt im Verlauf der Performance aufgelöst. Die Raumsituation um das agierende Kunstobjekt ‹Interpret‹ zerfällt, es selbst verschwindet auf visueller und musikalischer Ebene. In der Black-Box wird der Zuschauer, akustisch von allen Seiten bespielt, an die visuelle Wahrnehmungsgrenze geführt. Zurück im ersten Konzertraum gelangt die Performance an seinen konsequenten Schluss. Patrick N. Frank

WNMD04, in Zusammenarbeit mit Ensemble Opera Nova, klangkunst traute, Rote Fabrik, IGNM Zürich


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Freitag 12. November 2004, 14.30-15.30 und 17.15-18.15 Uhr

Rote Fabrik, Seestrasse 395, 8038 Zürich

Im Rahmen der 78th ISCM WORLD NEW MUSIC DAYS 2004 TRANS-IT

Konzert 31:

RAUM – ZWISCHENRAUM 
von Daniel Studer und Peter K Frey 

Jürg Frey: Klarinetten, Peter K Frey: Kontabass, Daniel Studer: Kontrabass, Alfred Zimmerlin: Violoncello, 
NN: Technik 

Mittelpunkt des Projektes ist der Besucher, der sich frei in verschiedenen bespielten und unbespielten Räumen bewegen kann. Ein Wandeln durch Klangräume - Raumklänge. 

Vier Musiker spielen gleichzeitig in vier voneinander akustisch abgetrennten Räumen. Die Räume unterscheiden sich durch Raumgrösse und Akustik voneinander. Die Musik wird aus den vier Räumen per Mikrofon in einen fünften Raum geführt und dort von vier in den Ecken aufgestellten Lautsprechern wiedergegeben. Der Musiker ist also Teil eines Ganzen, das er sich nur vorstellen kann, da er die anderen Musiker nicht hört. Er interveniert gemäss den Vorstellungen seines imaginären Ganzen. In sich ergibt aber auch jedes der vier "Solokonzerte" ein Ganzes.

Die ZuhörerInnen gehen in den fünf Räumen während der Aufführung umher und nehmen die Musik in den Raumqualitäten entsprechend klanglich und optisch wahr. Der Parcours von Raum zu Raum schliesst einen Zwischenraum ein, der Umweltklänge, aber auch Eigengeräusche und Ruhe beinhaltet. Vier Solokonzerte, ein fiktives Quartett sowie verschiedene Zwischenräume bieten sich so zur freien Wahl an. DANIEL STUDER, PETER K FREY

WNMD04, in Zusammenarbeit Rote Fabrik und IGNM Zürich


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Samstag 20. November 2004 20.00 Uhr
Radiostudio DRS Brunnenhofstrasse 22 8042 Zürich

X_QUARTETT

Thomas Müller secco (1994) / Boguslaw Schaeffer Neues Werk / Alex Buess Neues Werk

Raphael Camenisch: Saxophon, Jürg Henneberger: Klavier, Aleksander Gabrys: Kontrabass, Daniel Buess: Schlagzeug

Kammermusikwerke in Quartettbesetzung für Saxophon, Klavier, Schlagzeug und Kontrabass gibt es nicht - soweit das Resultat wochenlanger Recherche. 
Genau diese Kombination von Instrumenten aber stellt im Jazz eine kaum häufiger anzutreffende Formation mit unerschöpflichem Potenzial dar. Umso unglaublicher, dass auf den Werklisten heutiger Komponisten kein solches Quartett zu finden ist.

Die Mitglieder des X_Quartetts sind klassisch ausgebildete Musiker, die sich vorwiegend mit zeitgenössischer Musik befassen. Ihr Interesse gilt sowohl der klanglichen Erweiterung dieser Formation als auch der Näherung an einen avantgardistischen Schnittpunkt, an dem U- und E- Musik nicht mehr trennbar und die Grenzen fliessend sind. 

Als Uraufführungen stehen Kompositionen von Alex Buess und dem polnischen Komponisten Boguslaw Schaeffer auf dem Programm. Das Trio "secco" von Thomas Müller für Saxophon, Klavier und Schlagzeug zeigt exemplarisch einen gestisch geräuschmalerischen Umgang mit den Instrumenten. Eingebunden werden die drei Kompositionen von vier Eigenkreationen der Musiker, die von improvisativ-konzeptuellen Techniken bis zu streng mathematischen Konstruktionen reichen. RAPHAEL CAMENISCH


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Sonntag 30. Januar 2005, 21.00 Uhr

Kunstraum Walcheturm (Kaserne), Kanonengasse 20, 8004 Zürich

ensemble intégrales

Yannis Kyriakides chaoids (2001) / Netochka Nezvanova la lumière, la lumière ... c'est la seule ... (2002) / Marko Ciciliani Körperklang (2002) / Burkhard Friedrich no significant change - short cuts ... (2002) / Donacha Dennehy glamour sleeper (2002) 

Barbara Lüneburg: Violine, Claudia Birkholz: Klavier, Burkhard Friedrich: Saxophon, Stefan Kohmann: Schlagzeug, Marko Ciciliani: Technik

Marko Ciciliani arbeitet mit der Programmiersprache "supercollider" und modifiziert die live gespielten Klänge in Bezug auf die individuelle Raumakustik. Es entstehen komprimierte Klangschichten, die durch die Live-Elektronik und die Akustik des Raumes unvorhersehbare Strukturen hervorbringen. 

Burkhard Friedrich stellt Ausschnitte aus seinem multimedialen Musiktheater "no significant change" vor, in denen er Klangschichten mittels "supercollider" über ein quadrophones Lautsprechersystem rotieren lässt. Yannis Kyriakides hat für sein Stück eine Zuspiel-CD erstellt, mit der die verstärkten Instrumentalklänge teils verschmelzen, teils in Kontrast stehen. Mit "chaoids", von "Chaos" abgeleitet, sind Klangwellen gemeint, die eigene Strukturen und außergewöhnliche Dynamik besitzen.

Der Ire Donacha Dennehy hat sich an Traumsequenzen orientiert, die ein Erleben von unterschiedlichsten, nicht kontrollierbaren emotionalen Zuständen in einer Art Paralleluniversum repräsentieren. Dabei entsteht eine Steigerung in unermeßliche Klangschichten, die durch die Live-Elektronik transformiert werden. Netoschka Nezvanova hat ein kontemplatives Werk komponiert, in dem ein filigranes Netz aus elektronischen und akustischen Klängen gewoben wird. Es entstehen Assoziationen von Licht und Schatten - Klangfarben im wahrsten Sinne des Wortes. BURKHARD FRIEDRICH


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Montag 14. Februar 2005, 20.15 Uhr

Theater Stadelhofen Stadelhoferstrasse 12 8001 Zürich

PORC-ÉPIQUE – eine afrikanische Transformation für improvisierendes Streichensemble

Peter Gossweiler: Kontrabass, Marie Schwab: Viola, Patricia Bosshard: E-Viola, 
Bernhard Göttert: Violoncello

Das Programm des Streichquartetts spannt einen Bogen von skizzierten Ideen und intuitiv bearbeiteten Motiven bis hin zu programmatischen Stücken. Eine Inspiration ist die Musik aus der Nyae-Nyae Region im Nordosten Namibias. Was in dieser Musik vorderhand banal und genügsam klingt, wird bei dem Versuch, es nachzuspielen, immer komplizierter. Das gilt vor allem für die dualistischen Rhythmusmuster, die bei wiederholter Aufführung zwar erkennbar, aber nie identisch sind. Mit großem Respekt vor dem Original wurden Rhythmen und bestimmte "timelines" für Streicher adaptiert. Die erdigen Färbungen von Kontrabaß, fünfsaitiger Viola, tief gestimmtem Cello und die Schattierung der elektronisch verstärkten Bratsche erinnern an das charakteristische Instrumentarium der Ju/wasi Buschleute.

Ein strukturierendes Spielkonzept formt die Entwicklung und Verwandlung von Einfällen zu einem aufregend farbigem Konzert. BERNHARD GÖTTERT


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Freitag 6. Mai 2005 14.00 / 17.30 / 19.30 Uhr

Musikhochschule Zürich Kleiner Saal Florhofgasse 6 8001 Zürich

CHRISTIAN WOLFF

14.00 Uhr Eine Erfahrung mit Christian Wolffs Musik
17.30 Uhr Komponistenforum Christian Wolff: Christian Wolff spricht über seine Musik
19.30 Uhr Konzert mit Christian Wolff: Christian Wolff spielt ein Solo-Rezital (Klavier)

"Eine Komposition (ein Notentext) ist nur Aufführungsmaterial; sie muss die Freiheit und Würde der Interpreten ermöglichen; sie sollte jeden Augenblick allen Beteiligten - Spielern, Komponisten, Zuhörern - Überraschung bieten können; sie sollte beides zulassen: Konzentration, Präzision im Detail und Befreiung oder Zusammenbruch, Virtuosität und die übliche Ausführung der Dinge. Kein Klang, Geräusch, Intervall an sich ist irgendeinem anderen vorzuziehen, einschliesslich jener, die uns ständig umgeben, gesetzt den Fall, dass man a) frei ist, sich von ihnen weg- oder zu ihnen hinzubewegen, und dass b) Klänge nicht absichtsvoll eingesetzt werden, um bei anderen Gefühle auszulösen: lass die Hörer genau so frei sein wie die Spieler." Christian Wolff

In Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Zürich

Konzerthinweis: 
Samstag 7. Mai 2005, Schlosserei Walter Nenninger, Grubenstrasse 29, 8045 Zürich.
Ensemblestücke von Christian Wolff

Berlin Exercises (2004), Apartment House Exercise (2004) und Exercise 18 (1975). 

Christian Wolff: Piano, Schlagzeug, Jürg Frey: Klarinette, Craig Shepard: Posaune, Marc Unternährer: Tuba, Jogrim Erland: E-Gitarre, Stefan Thut: Violoncello.